80 Jahre nach Kriegsende beginnt die Bergung in der Lübecker Bucht.

Zum Kriegsende vor 80 Jahren lagern in Deutschland noch unvorstellbare Mengen an Munition und Kampfstoffen. Die Alliierten beschließen, diese in festgelegten Arealen in Nord- und Ostsee zu entsorgen. Die Lübecker Bucht wird für die Beseitigung herkömmlicher Waffen und Munition aus der britischen Besatzungszone ausgewählt, da sie durch die Nähe zu Lübeck eine schnelle Verklappung ermöglicht. Die britischen Besatzungstruppen organisieren die Versenkung in Lübeck. Sergeant Roy Tull ist als Mitglied der RAF Bomb Disposal Squad (Bombenräumkommando) 1945/46 in Lübeck stationiert, wo er für die Organisation der Munitionsverklappungsfahrten zuständig ist. Seine Tochter Barbara Tull hat dem Museum für die Ausstellung bisher unveröffentlichte Dokumente und Fotos seiner Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt.
Seitdem liegen etwa 300.000 Tonnen versenkter Waffen auf dem Boden der Ostsee. Insgesamt sind es schätzungsweise 1,6 Millionen Tonnen in deutschen Gewässern. Diese Altlasten sind eine tickende Zeitbombe. Die eisernen Behälter rosten und geben nach und nach ihre giftigen Inhaltsstoffe frei. Für die Umwelt und die Menschen werden die alten Kriegswaffen zu einer unberechenbaren Gefahr.
Pilotbergung
2022 stellte die Politik 100 Millionen Euro im Bundeshaushalt bereit, um das Problem anzupacken. Im Sommer 2024 begann die Pilotbergung der Weltkriegsmunition an drei Stellen vor Haffkrug und Pelzerhaken in der Lübecker Bucht. Dabei geht es in erster Linie darum zu erkennen, welche Technologien sicher angewendet werden können. Das Ziel ist, eine mobile Verbrennungsanlage für die sichere Entsorgung von Munitionsaltlasten zu konstruieren.
Das Regionalmuseum thematisiert mit der Sonderausstellung die aktuelle Bergung der Munitionsaltlasten. Dazu gehören die Methoden, mit denen die Munition aufgespürt und kartiert wird, die Bergungskonzepte, die Gefahren, die von den rostenden Waffen für Mensch und Tier ausgehen und die Geschichte der Munitionsverklappungen.
Fachliche und finanzielle Unterstützung
Unterstützt wird die ehrenamtlich erstellte Ausstellung von zahlreichen Wissenschaftlern und Praktikern, die an der Meeresuntersuchung, der Pilotbergung und an der Erforschung der Gefahren beteiligt sind. Das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN), die Minentaucher des Seebataillons aus Eckernförde und GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel haben zahlreiche Objekte zur Verfügung gestellt. Finanziell gefördert wurde der Verein von der Kreiskulturstiftung Ostholstein, der Gemeinde Scharbeutz, der Sparkassen-Kulturstiftung Ostholstein, der Volksbank Eutin, den Rotary Club Lübecker Bucht und dem Lions Club Lübecker Bucht.

Begleitbroschüre
Zu der informativen Ausstellung gibt es auch wieder eine umfangreiche Begleitbroschüre, die alle Themen der Ausstellung enthält. Sie ist für 6 Euro im Museum erhältlich.