Schriftzug Museum Pönitz Deutschland und Cap Arcona in der Lübecker BuchtLeave Center No 2 ScharbeutzSommerfrische
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Sonderausstellung - 06. Juni bis 29. November 2020

1945 - Kriegsende und Neubeginn

Die Lübecker Bucht vor 75 Jahren

1945 - Kriegsende und Neubeginn

Vom schwierigen Neubeginn nach einem verheerenden Krieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrschten auch in Schleswig-Holstein Hunger, Wohnungsnot und Chaos. Eine Ausstellung im Regionalmuseum der Gemeinde Scharbeutz zeigt, wie in der Region an der Lübecker Bucht Geflüchtete und Vertriebene, befreite KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene Notjahre und Aufbruch bewältigten.

Die Anordnung der britischen Besatzungsmacht war unmissverständlich: Am 14. Mai 1945 mussten die Bewohner der Ostseebäder Haffkrug und Sierksdorf von einem Tag auf den anderen ihre Häuser räumen. Wo sie unterkamen, interessierte die Sieger über Nazi-Deutschland nicht. Sie mussten Platz machen für mehrere tausend „Displaced Persons“ – ehemalige KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, viele aus Polen und Osteuropa. Die meisten dieser entwurzelten Menschen waren krank und traumatisiert. Ein Jahr lebten die „DPs“ gedrängt in den Häusern und in Großzelten am Strand. In Haffkrug gab es sogar eine polnische Schule für Kinder und Jugendliche, die entweder selbst in KZs waren oder Kinder von Zwangsarbeitern waren.

Letzte Zuflucht Norden

Für die vertriebenen Dorfbewohner gab es kaum Unterkünfte in der Umgebung, denn in den letzten Kriegswochen waren fast eine Million Menschen vor den alliierten Truppen in das noch unbesetzte Schleswig-Holstein geflohen. Die meisten kamen aus Ostpreußen und dem Baltikum, viele per Schiff über die Ostsee. So war der Anteil der Geflüchteten im heutigen Ostholstein extrem hoch: In vielen Gemeinden machten sie noch 1948 mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus, in Timmendorfer Strand sogar fast 77 Prozent. Sie alle mit Unterkunft, Nahrung und möglichst Arbeit zu versorgen, stellte die britische Besatzungsmacht und die von ihr eingesetzte Verwaltung vor nahezu unlösbare Probleme.

Die Notzeit nach dem Krieg ist eines der Themen der Ausstellung „1945 – Kriegsende und Neubeginn. Die Lübecker Bucht vor 75 Jahren“, die am 6. Juni im Regionalmuseum der Gemeinde Scharbeutz in Pönitz eröffnet wurde. Die Ausstellungsmacher – ausnahmslos ehrenamtliche Mitarbeiter der von einem Verein getragenen Einrichtung – haben auch weitgehend unbekannte Kapitel der Regionalgeschichte aufgegriffen: etwa den „Kral“. So hieß unter Soldaten das Sperrgebiet – offiziell „Zone F“ –, in dem die britischen Besatzer fast 600.000 deutsche Kriegsgefangene internierten. Das Lager umfasste den gesamten nordöstlichen Teil Ostholsteins einschließlich der Insel Fehmarn. Monatelang hausten die ehemaligen Wehrmachtsangehörigen hier in Zelten, Hütten oder Erdlöchern und warteten auf ihre Entlassung. Wer Bauern bei der Landarbeit helfen konnte, bekam zu essen, die anderen sammelten Kräuter und Kleingetier, um zu überleben.

Die Cap-Arcona-Katastrophe

In Ostholstein gehörten auch die wenigen hundert Überlebenden der „Cap Arcona“-Katastrophe zu den Menschen, für die in aller Eile Unterkünfte gefunden werden mussten. 7500 KZ-Häftlinge überwiegend aus dem Lager Neuengamme waren Ende April von der SS auf mehrere ankernde Schiffe – darunter der ehemalige Luxusdampfer „Cap Arcona“ – in der Lübecker Bucht vor Neustadt gebracht worden. Rund 7000 von ihnen kamen am 3. Mai ums Leben, als die Royal Air Force die schwimmenden Gefängnisse bombardierte. Man habe geglaubt, so die Erklärung der Briten, dass Nazigrößen auf ihnen über die Ostsee fliehen wollten.

Die Besatzung

Der Angriff erfolgte am selben Tag, an dem die britische Armee die Lübecker Bucht erreichte. Aus dem beschaulichen Badeort Scharbeutz wurde in kürzester Zeit ein Seebad für Soldaten aus der ganzen britischen Besatzungszone. Hotels und Pensionen wurden beschlagnahmt und umbenannt in Palm Beach Hotel oder Piccadilly. Einen Großteil des Strandes und den Kurpark durften Deutsche nicht betreten. Erholungssuchende Feriengäste kamen trotzdem. Man zeltete wild in den Dünen, DRK und AWO boten Aufenthalte in Baracken und Nissenhütten. Die Scharbeutzer vermieteten jede noch so kleine Kammer, sofern sie nicht durch Flüchtlinge belegt war, an Urlauber. So kam der Tourismus allmählich wieder in Gang. Aber erst als die Briten 1954 abzogen, konnte Scharbeutz gegenüber anderen Bädern aufholen und investierte kräftig in touristische Infrastruktur.

Heute sind die Badeorte in Ostholstein beliebte Urlaubsziele, in denen kaum etwas an den schwierigen Neustart 1945 erinnert. Ein Erbe des Krieges allerdings ist höchst gegenwärtig und bedrohlich – auch davon handelt die Ausstellung in Pönitz: Auf dem Grund der Lübecker Bucht lagern noch mindestens 50.000 Tonnen Munition und rosten vor sich hin.

Der Verein hat eine handliche, sehr informative, 116-seitige Begleitbroschüre zur Ausstellung erstellt, in der alle Themen behandelt werden, die einen anschaulichen Überblick über die Zeit und die Geschehnisse in der Region von Neustadt bis Timmendorfer Strand und dem dazugehörigen Hinterland geben. Die Broschüre wurde zu einem großen Teil von der Sparkassenkulturstiftung Ostholstein gefördert und ist gegen eine Schutzgebühr von 4 Euro im Museum erhältlich.
Sie ist auch für Schulen sehr gut geeignet, um die lokale Geschichte den Schülern nahezubringen.

Ausstellung „1945 – Kriegsende und Neubeginn. Die Lübecker Bucht vor 75 Jahren“, vom 6. Juni bis zum 29. November 2020. Museum für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz, Lindenstraße 23, 23684 Scharbeutz OT Pönitz, Eintritt frei, Spende erwünscht; www. museum-scharbeutz.de

"1945 – Kriegsende und Neubeginn. Die Lübecker Bucht vor 75 Jahren"

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